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Brut & Aufzucht

 

Die Brut der Wachtel

Die Brut beginnt mit der Bruteierproduktion. In der Herde wird auf drei Hennen ein Hahn benötigt. In einer kleinen Gruppe von fünf Hennen genügt ein Hahn, da dieser beim Tretakt nicht von konkurrierenden Hähnen gestört wird. Die Zuchttiere sollten 10 Wochen alt sein und können dann bei intensiver Haltung 20 bis 25 Wochen zur Zucht mit Aussicht auf guten Schlupf eingesetzt werden. Danach sinken Legetätigkeit und Schlupfquote kontinuierlich. Natürlich können auch mit älteren Hennen bis ein Jahr, dann möglichst mit ausgetauschten jüngeren Hähnen, gezüchtet werden. Mäßige Schlupfergebnisse von etwa 50 % lassen sich so noch erzielen und der Generationswechsel wird verzögert. Der Austausch jüngerer, aber bereits geschlechtsreifer Hähne kann problematisch werden, da sie von den Hennen erst mal verprügelt werden. Setzt man sie bereits im Alter von vier  Wochen zu, werden sie als Jungtiere angesehen und weder von den Althähnen noch von den Hennen bekämpft. So lassen sie sich gut in eine Herde eingewöhnen. Natürlich müssen die Althähne später entfernt werden.

Mit dem gleichen Brutergebnis von 50 % kann man zufrieden sein bei Bruten aus Eiern, die den Erschütterungen eines Paketversandes ausgesetzt waren, auch wenn die Eier ursprünglich einwandfreie Bruteiqualität hatten (natürlich gibt es auch viele bessere Ergebnisse bis 90 %). Trotzdem ist der Versand ein probates Mittel, wie man relativ preisgünstig zu Wachteln aus einem fremdblütigen Stamm kommen kann. So lässt sich das Problem der für Wachteln typischen hohen Empfindlichkeit auf Inzucht gut lösen. Diese erschütterten Bruteier sollten 24 Stunden ruhig bei Zimmertemperatur liegen, ehe mit der Brut begonnen wird. Trotzdem kann es in Einzelfällen vorkommen, dass durch übermäßige Erschütterungen beim Transport die Entwicklung der Embryonen gar nicht einsetzt und die Eier unbefruchtet erscheinen. Das sind aber Ausnahmen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Brut sind hochwertige Bruteier durch hochwertige Fütterung. Eine gute und vielseitige Versorgung mit Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen ist Voraussetzung für hohe Brutei-Qualitäten. Näheres dazu beim Kapitel Fütterung. Die Bruteier sind bei einer Optimaltemperatur von 8 bis 13 °C auf der Spitze zu lagern. Wenden ist so nicht unbedingt nötig, bei Lagerung auf der Seite aber zweimal täglich erforderlich. In Hitzeperioden ist die schnelle Lagerung in der angegebenen Temperatur, mindestens aber unter 20 °C zu garantieren, um ein schädliches mehrmaliges Anbrüten der Embryos zu vermeiden.

Ob die Eier während der Brut auf der Spitze stehen oder auf der Seite liegen, hat auf das Brutergebnis keinen Einfluss, auch wenn in der Natur die Eier im Nest ja prinzipiell liegend aufbewahrt und bebrütet werden. Bruteier sollten höchstens 12 Tage, besser nur sieben Tage alt sein. Ab 14 Tagen sinkt die Schlupfrate rasch.

Ein besonderes Kapitel ist das Waschen verschmutzter Eier, wie sie besonders bei Bodenhaltung anfallen. Das Waschen ist für Bruteier grundsätzlich zu vermeiden, da der bakterienhemmende äußere Schutzfilm der Eischale zerstört wird. Die Folge ist, dass bei Brutapparat-Temperatur die nun im Ei vorhandenen Bakterien ideale Vermehrungsmöglichkeiten finden und es bald durchdringend nach Schwefelwasserstoff riecht. Dieser ist auch als der Geruch fauler Eier bekannt. Im Gegensatz dazu trocknen nicht gewaschene Eier mit übersehenen Beschädigungen und Haarrissen in der Regel ohne Geruchsbelästigung ein. Für die oft verschmutzten Eier von Wassergeflügel wird empfohlen, den angetrockneten Schmutz mit feinem Sandpapier vorsichtig zu säubern. Ob das für Wachteleier auch zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Sinnvoll ist es wohl, verschmutzte Eier im eigenen Haushalt zu verbrauchen. Dazu können sie unmittelbar vorher problemlos gewaschen werden.

Die Naturbrut scheidet bei Legewachteln für größere Aufzuchten aus. Sie selbst brüten nur in seltenen Fällen. Durch naturnahe Haltungsbedingungen können sie aber dazu erfolgreich animiert werden.

Zur Naturbrut sind schon Zwergwachteln, Täubchen oder die glattfüßigen Urzwerge der Hühner verwendet worden. Das sind alles wenig effektive Methoden. Bereits im kleinsten Flächenbrüter und natürlich in jedem Schrankbrüter lassen sich Legewachteln brüten. Sie sind voll kunstbrutfest.

Die Brutparameter gleichen denen von Hühnern. In Schrankbrütern wird vom Hersteller in der Regel eine Temperatur von 37,5 bis 37,8 °C angegeben. Bei normalen Flächenbrütern liegt sie bei 38,3 °C gemessen an Eioberkante. Flächenbrüter mit Ventilatoren werden in Bezug auf Temperaturen behandelt wie Schrankbrüter, gelegentlich gibt es leicht abweichende Empfehlungen vom Hersteller. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei 55 bis 60 % für die Vorbrut liegen, kann aber einen Regelbereich von 50 bis 65 % haben. Drei Tage vor dem Schlupf ist die Temperatur um 0,2 bis 0,3 °C zu senken, da die Eigenwärmeproduktion des Kükens steigt, und das Wenden ist einzustellen. Zum Schlupf ist die relative Luftfeuchtigkeit spätestens mit Anpicken der ersten Eier auf etwa 80 % anzuheben. Nur so wird ein zügiger Schlupf gesichert. Im Flächenbrüter ohne Luftbewegung stellt sich dieser Wert durch den Schlupf von selbst ein.

Die Vorteile der Empfehlungen, die Bruteier vor der Brut mit verdünnter Salzsäure zu waschen oder vor dem Schlupf mehrmals mit Essigwasser einzusprühen, haben sich nicht dauerhaft bestätigt. Stattdessen sind mangelhafte Schlupfergebnisse, vorausgesetzt man hat die Haltung, die Fütterung, die Bruteilagerung und die Brut im Griff, durch die Verpaarung möglichst blutsfremder Linien gut zu verbessern. Auch Brutfehler im Zeitraum der Vorbrut haben vielfach Steckenbleiber als Folge. Eine akribische Aufzeichnung der Temperatur und Luftfeuchtigkeit über die gesamten Brutdauer helfen zumindest dem Anfänger später Brutfehler zu finden.

Das Kühlen der Eier während der Brut wird vielfach auch von Brüterherstellern nicht als notwendig empfohlen. Sehr gute Brutergebnisse werden aber auffälligerweise von Wachtelzüchtern erreicht, die trotzdem kühlen oder auch kühlen, weil sie Wassergeflügeleier mit brüten. Eine halbstündige Kühlung über den programmierten Timer in modernen Apparaten oder das Abstellen und Öffnen des Brüters für eben diese Zeit ist empfehlenswert. Als Zeitraum wird der 7. Tag bis drei Tage vor dem Schlupf (also mit beendeter Wendung) angegeben.

Gewendet wird bis zum 14. Tag mindestens zweimal am Tag, wenn möglich dreimal oder fünfmal. Das ständige Wenden in modernen Apparaten ist sehr sinnvoll, wenn niemand im Hause ist, bringt aber kein besseres Brutergebnis. Bei Rollenwendung ist es möglich, dass sich Eier verklemmen oder aufstellen und dann nicht gewendet werden. Eine völlig sichere Wendung wird bei Wachteleiern nur mit Kippwendung erreicht. Damit ausgerüstete Apparate sind meist für die Wachtelbrut zu groß. Völlig sicher für kleinere Apparate ( aus Styropor und auch kleinere Schrankbrüter für 42 Hühnereier pro Horde) sind die aus den USA importierten vollautomatischen Wendeeinsätze für 120 Wachteleier. Sie sind geeignet für die Eier der Zwergwachteln und Legewachteln. Bereits sehr große Eier der Legewachteln (über 13 g) und die der Fleischwachteln sind zu groß für diesen Wender.

Vorsicht geboten ist bei der Brut vor zu hoher Temperatur während der ersten Brutwoche. In dieser Zeit werden alle Organe angelegt und bei zu hoher Temperatur kann es zu Missbildungen kommen. Die Küken schlüpfen meist am 17. Tag, solche aus älteren Eiern einige Stunden später. Einige Vorschlüpfer, die einen vollen Tag eher kommen, gibt es meistens. Hilfe beim Schlüpfen, wenn die Eihaut zu zäh ist, ist im Gegensatz zu Hühnerküken bei Wachtelküken gut möglich. Meist stimmen dann die Brutparameter doch nicht ganz, die Küken haben missgeformte Zehen oder liegen falsch. Sehr spät schlüpfende Küken sollte man aber nicht aufziehen; missgebildete sterben sowieso. Nach vollendetem Schlupf müssen die sehr empfindlichen Küken bei geöffneter Luftklappe und entfernten Befeuchtungsbehältern oder abgestellter Befeuchtungsautomatik einige Zeit (bis zu 36 Stunden ist das für die Vorschlüpfer problemlos möglich) im Brutapparat getrocknet werden.

Eine Sonderstellung als Brüter nehmen die als Jäger-Kunstglucken deklarierten Flächenbrüter ein. Sie eignen sich ausgezeichnet als Schlupfbrüter. Mit einer Kapazität bis über 200 Wachteleier in der größeren Variante und einem über den gesamten Apparat reichenden transparenten Deckel bei beiden Brütern sind sie hervorragend für Stammbrut geeignet. Es lassen sich gut kleine Drahtrahmen zur Trennung bestimmter Bruteierpartien einsetzen und der gesamte Schlupf ist vortrefflich zu beobachten. Sie ahmen weitgehend die Naturbrut nach und werden bevorzugt in Trockenbrut betrieben. Letzteres heißt, die relative Luftfeuchtigkeit liegt beim Schlupf wesentlich niedriger. Das ist meist ohne jede Wasserzufuhr zu erreichen, es sei denn, sie stehen in sehr trockenen Räumen. Das heißt aber auch, alle von Schrankbrütern bekannten Erfahrungswerte können hier nicht angewendet werden. Der erfahrene Züchter wird aber am Verhalten der Küken unschwer erkennen, was er tun muss. Bewährt hat sich die Regulierung der Luftfeuchtigkeit nicht über die im Brüter befindlichen Wasserrinnen vorzunehmen. Statt dessen werden nach Bedarf Halbliter-Plastebecher (Buttermilch o.ä.) mit Wasser in die Ecken gestellt, die zum Abtrocknen der Küken wieder mühelos entfernt werden können.

Als Schlupfbrüter bescheren die Jäger-Brüter einen sehr schonenden Schlupf. Alle Schlupfprobleme wie krumme Zehen, Spreizbeine und Steckenbleiber reduzieren sich auf einzelne Küken oder treten gar nicht auf. Es ist schon erstaunlich, dass diese weit verbreiteten Probleme offensichtlich erst in unzureichenden Bedingungen während der letzten drei Tage der Brut ihre Ursache haben. Die Schlupfdauer reduziert sich auf wenige Stunden. Die Abstimmung der schlüpfenden Küken untereinander, wie es von der Naturbrut bekannt ist und die dort für einen gleichzeitigen Schlupf auch aus unterschiedlich alten Eiern sorgt, funktionierte offenbar sogar über die Artengrenzen hinweg. Bei einem Versuch mit allerdings nur 60 Eiern schlüpften Zwergwachtel-, Harlekinwachtel-, Legewachtel- und Virginiawachtelküken innerhalb von zweieinhalb Stunden (natürlich wurden die Eier der Letzteren sechs Tage eher eingelegt). Rücksicht auf die unterschiedliche Eigröße wurde nur insofern genommen, dass die kleineren Eier der Zwergwachteln in der Mitte lagen, wo die Temperatur doch wenige Zehntelgrade höher war als am Rand. Im kleineren Schrankschlupfbrüter zieht sich so ein Schlupf vielfach über zwei Tage hin.

 

 

Die Aufzucht

 

Die Aufzucht kann auf Hobelspänen oder vom ersten Tage an auf Drahtgitter (10x10 mm, gut geeignet auch für die gesamte Aufzucht 12x12 mm plastummantelt) erfolgen. Bei Sägespänen besteht die Gefahr, dass die Küken sie fressen. An den Zehen können sich vom vierten Tage an Kotballen festsetzen. Diese können antrocknen und während des Wachstums schnell Teile der Zehen abschnüren. Auch Sand wird gelegentlich empfohlen. Auch damit sind schon Küken mit vollem (Sand-)Kropf bei vollen Futtertrögen verhungert. Auf Drahtgitter kann das alles nicht passieren. Empfehlenswert ist es, unter die Wärmequelle raues Papier, anfänglich besser rauen Stoff oder Teppich zu legen und täglich auszuwechseln. Zeitungspapier ist zu vermeiden, die Druckerschwärze kann giftig wirken. Während der ersten Tage kann es sinnvoll sein, das gesamte Gitter abzudecken. Nach späterer teilweiser Entnahme des Papiers haben die Küken Gelegenheit, immer wieder über das Drahtgitter zu den Futternäpfen ausweichen und verlieren so die anklebenden Kotreste an den Zehen. Nach zwei bis drei Wochen sollte auf größeres Gitter (12x12 mm) oder Bodenhaltung umgestallt werden.

 

Eine weitere Aufzuchtmethode besteht in der Kombination der Aufzucht von vier bis sechs Tagen auf Hobelspänen, danach auf Gitter. Das 12-mm-Drahtgitter wird mit Folie abgedeckt, auf der eine dünne Schicht staubfreier Hobelspäne aufgebracht wird. Nach vier bis sechs Tagen beginnt die Gefahr der Kotballenbildung an den Zehen. Dann wird einfach die Folie mit der Einstreu entnommen. Mit dieser Methode lassen sich sehr verlustarme Aufzuchtergebnisse erzielen. Sie ist sehr schonend für die anfangs sehr empfindlichen Beingelenke der Küken. Langjährige Erfahrungswerte liegen bei 98 bis 99 % Aufzuchtergebnis.

 

Hier soll betont werden, dass die angeführten Aufzuchtmethoden für kleinere Aufzuchten geeignet sind. Die Massenproduktion wird anders organisiert.

 

Die Temperatur unter der Wärmequelle muss in der ersten halben Stunde bei 38 bis 40 °C liegen. Ausweichmöglichkeiten müssen gegeben sein. Danach sind die aus dem feuchten Brüter-Milieu kommenden Küken trocken, der Wärmebedarf lässt von Tag zu Tag nach und je nach Raumtemperatur kann die Heizung im Laufe der dritten oder vierten Woche eingestellt werden.

 

Die Reduzierung der Heizquellenleistung, die meist je nach Menge der Küken aus einer Glühbirne oder einem Infrarotstrahler besteht, lässt sich sehr gut stufenlos mit einem Steckdosendimmer regulieren. Gleichzeitig vermeidet die Reduzierung der Helligkeit besonders im Hochsommer weitgehend das Federfressen, das sonst mit etwa zwei Wochen einsetzen kann. Zu viel Wärme und zuviel Helligkeit sind die Hauptgründe dafür. Gedimmte Birnen brauchen weniger Strom und halten wesentlich länger. Die Gefahr eines Totalausfalles der Wärmequelle mit entsprechenden Tierverlusten besonders in den ersten Lebenstagen wird wesentlich verringert.

 

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